Die Entdeckung der Pünktlichkeit

Die Nachtwächter vom Kultur- und Museumsverein Horb präsentieren seit November 2008 einen Teil ihrer eindrucksvollen Nachtwächterkontroll-uhrensammlung in einer Vitrine des Stadtmuseums im Bürgerkulturhaus am Marktplatz.

Die Vitrine befindet sich im Hirschfelder-Zimmer des Horber Stadtmuseums, in dem auch das Gemälde "Die Brodvisitation" (1876) von Salomon Hirschfelder (geb. 1831 Dettensee, gest. 1903 München) zu betrachten ist. Das Bild thematisiert die 1872 erfolgte Einführung der metrischen Maße und Gewichte im neuen Deutschen Kaiserreich, die die Entdeckung der Genauigkeit mit sich brachte.

Die Erfindung der tragbaren Nachtwächterkontrolluhr führte 1855 zur Entdeckung der Pünktlichkeit. Mit dieser Uhr schuf Johannes Bürk, der von 1845 bis 1847 mit seiner Familie in Horb gelebt hat, den mechanischen Aufseher und Urtyp aller nachfolgenden Kontrolluhren. Die beginnende Industrialisierung rückte eine neue, größere Zielgruppe als die der Nachtwächter in den Mittelpunkt der Kontrolluhrenindustrie: die Arbeiter und Angestellten. Wie die Nachtwächter wurden auch die Arbeiter und Angestellten an das ‚Hier und Jetzt’ gebunden, an Raum und Zeit, an Fabrik und Arbeitsdauer.

               

Die Kontrolluhrensammlung umfasst mittlerweile 84 Kontrolluhren, die fast alle von württembergischen Firmen produziert worden sind: BÜRK, ISGUS, BENZING, HAHN, MEYER, AGFA, JUNGHANS und BAUSER.
Schmuckstück der Sammlung ist seit Weihnachten 2012 ein Radialapparat, der in der Württembergischen Uhrenfabrik Bürk Söhne hergestellt worden ist.

Der Philosoph Friedrich Nietzsche hat als Zeitgenosse das neue Joch der gezählten Zeit in einem Gedicht umrissen:

Gegen die Gesetze

Von heut an hängt an härner Schnur
Um meinen Hals die Stunden-Uhr:
Von heut an hört der Sterne Lauf,
Sonn', Hahnenschrei und Schatten auf,
Und was mir je die Zeit verkünd't,
Das ist jetzt stumm und taub und blind: -
Es schweigt mir jegliche Natur
Beim Tiktak von Gesetz und Uhr.

Friedrich Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft, 1882



Seit Oktober 2016 befindet sich in der Horber Sammlung eine Papierscheibenkontrolluhr für 12 Stationen, die von der Württembergischen Uhrenfabrik Bürk Söhne hergestellt worden ist und auf dem Obersalzberg Verwendung fand. Über die Geschichte dieses Täterortes informiert das Dokumentationszentrum Obersalzberg.

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Johannes Bürk (1819 - 1872)
Erfinder der tragbaren Nachtwächterkontrolluhr

1841 Nach einer Schreiberlehre in einer Sulzer Notariatskanzlei wagte Bürk den Sprung in die Selbstständigkeit, gründete ein „Commissionsbureau“ und gab in Schwen-ningen als Redakteur und Verleger die Wochenschrift „Die Biene“ heraus.

1842 Nach seiner Heirat mit der Schwenninger Bauerntochter Katharina Weyler wurde Bürk der Unterschlagung bezichtigt und unschuldig in Untersuchungshaft ge-steckt.

1845 Bürk übernahm auf Vorschlag des Verlegers und Lithographen Franz Joseph Steinwand die Redaktion der ersten Horber Zeitung „Die Laterne im Schwarzwald“ und zog mit seiner jungen Familie nach Horb a. N.

1846 Dem von Bürk entwickelten Instrument zum Baum- und Höhenmessen wurde ein königliches Patent erteilt. Die Produktion des „Patentbaummeßers“ übernahmen die Horber „Fabrikanten Raible & Bürkle“.


(Heimat- und Uhrenmuseum Schwenningen)

1847 Nachdem der „Laterne im Schwarzwald“ endgültig die Konzession verweigert worden war, kehrte Bürk mit seiner Familie nach Schwenningen zurück, wo er eine „verbesserte Sorte Granatkartätsche“ und einen „Shrapnel-Zünder“ entwickelte.

1849 Bürk wurde als neues Mitglied des Schwenninger Gemeinderats zum Ratsschreiber ernannt, der unter anderem auch für die Polizei und die Nachtwache verantwortlich war.

1855 Bürk erfand die “Tragbare Wächter-Kontrolluhr“ und gründete die „Württembergische Uhrenfabrik“.

1858 Bürk baute mit einem Wohnhaus „die Fabrik“, in der 3 Jahre später eine Lehr-werkstätte mit 13 Lehrlingen eingerichtet wurde.

1863 Die Stadt Horb a. N. erwarb ihre erste Nachtwächterkontrolluhr beim "Fabrikanten Bürk" in Schwenningen, nachdem eine nächtliche Einbruchsserie die Bürger der Stadt beunruhigt hatte.

1866 Die „Württembergische Uhrenfabrik“ beschäftigte 60 Personen und wurde als erste Uhrenfabrik des Schwarzwaldes in das Handelsregister eingetragen.

1868 Bürk wurde im Oberamtsbezirk Rottweil als Abgeordneter in die Zweite Kammer des Württembergischen Landtags gewählt.

1872 Nach dem Tod von Johannes Bürk übernahm sein Sohn Richard die Führung der Württembergischen Uhrenfabrik Bürk Söhne.

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Vom 09.04. bis 07.05.2008 präsentierten die Nachtwächter vom Kultur- und Museumsverein ihre eindrucksvolle Nachtwächterkontrolluhrensammlung im Foyer der Kreissparkasse Horb. Bei ihrer Spurensuche entdeckten sie, dass Johannes Bürk, der Erfinder der tragbaren Nachtwächterkontrolluhr, von 1845 bis 1847 mit seiner Familie in Horb a. N. gelebt hat, Horbs erster Zeitungsredakteur war und hier seine erste patentierte Erfindung produzieren ließ.

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Bilder von der Ausstellungseröffnung
am Mittwoch, den 09. April 2008

(Bilder: Stefan Reichel, Joachim Lipp, Ute Lipp, Martina Lachenmaier)

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“Time is money.”
Benjamin Franklin (1706 - 1790)


“Zeit zu haben, ist der wahre Reichtum.”
Unbekannter Autor

„Was also ist »Zeit«? Wenn mich niemand danach fragt, weiß ich es; will ich es einem Fragenden erklären, weiß ich es nicht.“

 „Die Zeit kam in die Welt und nicht die Welt in die Zeit.“
Augustinus von Hippo (354 – 430)

„Dreifach ist der Schritt der Zeit:
Zögernd kommt die Zukunft hergezogen,
pfeilschnell ist das Jetzt entflogen,
ewig still steht die Vergangenheit.“
Friedrich Schiller (1759 – 1805)

„Alles besiegt die Liebe, alles erreicht das Geld,
alles endet mit dem Tode, alles verschlingt die Zeit.“
Aus Spanien

„Ein bisschen Zeit ist nicht für viel Geld zu kaufen.“
Aus China

"Wer keine Zeit hat, ist ärmer als der ärmste Bettler."
Aus Italien

„Wenn der Tod kommt, hat der Reiche kein Geld,
der Arme keine Schulden mehr.“

Aus Estland

„Zeit ist Geld? Zeit ist viel mehr als Geld!“
Gerhard Kocher

„Menschen, die nur »Zeit ist Geld« verstehen, sind arme Kreaturen, denn sie haben den Sinn des Lebens nicht verstanden.“                 Walter E. Strahm

„In der einen Hälfte des Lebens opfern wir die Gesundheit, um Geld zu erwerben; in der anderen opfern wir Geld, um die Gesundheit wieder zu erlangen. Und während dieser Zeit gehen Gesundheit und Leben von dannen.“
                                       
Voltaire (1694 - 1778)

„Wer den ganzen Tag arbeitet,
hat keine Zeit, Geld zu verdienen.“

John D. Rockefeller I. (1839 - 1937)

„An Zeit fehlt es uns vor allem dort,
wo es uns am Wollen fehlt.“

Ernst Ferstl

„ai laik Gleitzeit“
Hengstler GmbH, Aldingen

*******************************************************************************************während des Horber Gartenschausommers 2011
in der Schalterhalle der Raiffeisenbank Horb

während der Heimattage 2013
im Foyer der Volksbank Horb

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